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Streiten verbindet
Auseinandersetzung und Streit gehören zum sozialen Leben. In unseren Kursen und Beratungen stellen wir immer wieder fest, dass Väter wollen, wie es andere Paare schaffen, aus einem Streit heraus zu kommmen. Dieses Wissen wollen wir auch an Sie weitergeben.
Lesen Sie nachfolgend: Wie Frauen streiten und Sie Ihren Nutzen daraus ziehen. Wie Sie eigene Konfliktmuster und den Partner besser verstehen. Ob Sie vor Ihrem Kind streiten sollten und wie Sie ständige Streitigkeiten vermeiden.
Frauen streiten anders, Männer auch
Die Wissenschaft weiß allerdings nicht, ob das genetisch oder sozial bedingt ist. Fest steht nur, dass es unterschiedliche Streitkulturen gibt, die sich - mit Vorbehalt - Männern oder Frauen zuschreiben lassen.
Im Wissen um diese Vorbehalte schreiben wir über geschlechtsspezifische Streitverhalten: Männer Sach-, Ziel- und Ergebnisorientierung stehen im Vordergrund. Männer lassen eher die Beziehungsebene außen vor und glauben auf der Sachebene den Konflikt lösen zu können. Oft funktioniert das aber nicht. Zwar hat jeder Konflikt eine Sachebene, doch darunter liegt häufig ein Beziehungsthema. Daher streiten die Parteien oft aneinander vorbei.Er sagt dann: "Jetzt bleib mal auf der Sachebene!", sie entgegnet: "Du verstehst mich doch gar nicht!".
Frauen sind geschult, auf der Beziehungsebene zu argumentieren. Frauen ist es sehr wichtig, über das Problem zu reden, um Unterstützung zu finden, den anderen zu verstehen und Mitgefühl zu wecken. Dabei denken sie nicht sofort an eine Lösung des Problems. Frauen erwarten von Männern, dass sie einfach nur zuhören, ohne gleich an die Problemlösung zu denken.
Stellen Sie diese Streitkulturen gegenüber und Sie werden bemerken, dass sich diese ergänzen. Bevor die Streitenden zu einer gemeinsamen Lösung kommen, müssen sie einander zuhören und versuchen, den anderen zu verstehen. Dabei geht es auch darum: Gefühle benennen und nachvollziehen, ohne zu bewerten. Erst danach sollte nach einer gemeinsamen Lösung gesucht werden.
Wie Oskar Holzberg treffend feststellt: "Die Lehre aus der Einsicht in die Unterschiede zwischen den Geschlechtern ist banal, aber ungeheuer wichtig. Wenn Sie sich das eingestehen, dann sind Sie als Paar bereit, die großen Probleme anzupacken, die in jeder Beziehung geklärt werden müssen. Das ist in einer Familie typischerweise Sex, Geld, Haushalt, Kinderbetreuung und Erziehungsfragen.
(Quelle: Kursbuch Familie, Oskar Holzberg)
Konfliktmuster
Eigene Konfliktmuster und den Partner besser zu verstehen, ist der erste Schritt zu einer entspannteren Beziehung. Beantworten Sie nachfolgende Fragen, um aus alten Mustern und immer wiederkehrenden Verhaltensweisen auszusteigen:
Tipp: Tauschen Sie sich mit Ihrer Partnerin über die Fragen aus und bewerten Sie nicht, sondern hören Sie genau zu.
- Welche Bedeutung hatten Konflikte in Ihrer Herkunftsfamilie? Zwischen den Eltern, zwischen den Geschwistern, zwischen Kindern und Eltern?
- Durften Sie als Kinder streiten? Durften Sie anderer Meinung sein als Ihre Eltern?
- Wie wurden Konflikte ausgetragen?
- Wie haben Sie Konflikte und Auseinandersetzungen zwischen den Eltern in Erinnerung?
- Waren Auseinandersetzungen in Ihrer Familie eher reinigend oder blieben schlechte Gefühle zurück?
- Wer waren früher typische Konfliktpartner? In der Familie, in der Schule, im Freundeskreis?
- Wer sind heute Ihre Konfliktpartner? Bei welchen Menschen gehen Sie Konflikten aus dem Weg?
- Wie reagieren Sie normalerweise, wenn sich ein Konflikt anbahnt? Mit Vermeidung oder eher mit Annehmen und Austragen? Oder schüren Sie gar gerne Konflikte?
- Wie sind die Rollen in der Partnerschaft verteilt? Sind Sie immer das Opfer oder eher der Täter?
- Beschreiben Sie ein typisches Konfliktmuster Ihrer Paarbeziehung.
- Und was wäre für Sie ein ganz neues Verhalten im Konfliktfall?
- Was haben Sie im Konfliktfall noch nie gemacht?
(Quelle: Powerpaare von A. Frankenberger und S. Nagler-Springmann)
Vor Kindern streiten
Streiten vor den Kindern? Ja, sagt die Fachwelt. Mit dem Vorbehalt, dass sich niemand wegen der Art des Streites schämen muß.
Streiten Sie also auch vor den Kindern, aber bleiben sie fair. Keine Schläge unter die Gürtellinie ("Du bist eine Null") und kein Streit um des Streitens willen (auch Streit soll letztendlich zu einem besseren Verständnis führen).
Im Detail sollten Sie darauf achten:
- Dass Sie Ihren Kindern nach dem Streit erklären, dass Mama und Papa sich immer noch lieben, auch wenn es manchmal laut wird. Bedenken Sie, dass es für die Kinder nicht bedrohlich sein muss, wenn Sie laut werden.
- Streit ist dann schädlich, wenn er sich permanent wiederholt oder im "Kampf" endet. Die ständige Wiederholung der Aggression vergiftet das Familienklima.
- Streiten Sie offen und fair. Unsere Checkliste sagt Ihnen, welche Regeln einzuhalten sind.
- Achten Sie darauf, dass Streitigkeiten nicht mehr Zeit in Anspruch nehmen als ruhige und harmonische Zeiten.
- Haben Sie Ihre Gefühle zu sehr unter Kontrolle, wird es für das Kind schwierig, die Versöhnung nachzuvollziehen. Achten Sie also darauf, dass Ihr Kind auch die Versöhnungsphasen mitbekommt.
- Wenn Sie nie vor Ihren Kindern streiten, kann es den Kindern später schwer fallen, im Streit auch etwas Positives zu sehen. Ihr Vorbild zählt in dieser Hinsicht am meisten.
- Wenn sich die Kinder in Streitigkeiten einmischen, geben Sie zu verstehen, dass Papa und Mama das alleine regeln. Hilfreich ist es, dem Kind zu sagen, dass das Problem nichts mit ihm zu tun hat und dass Mama und Papa sich auch wieder versöhnen werden.
Checkliste für den fairen Streit
Fair streiten heißt, sich an gewisse Regeln zu halten. Um mit einem größeren Verständnis und einer gemeinsamen Lösung aus dem Streit hervorzugehen, halten Sie sich an nachfolgende Regeln:
- Hüpfen Sie nicht von einem Thema zum anderen (letzte Woche..).
- Werden Sie nicht beleidigend. Sie dürfen laut und spitzfindig werden, aber niemals beleidigend.
- Zeigen Sie Achtung und Wertschätzung, das zeichnet gute Zuhörer aus.
- Bieten Sie nicht sofort Lösungen an. Darum geht es erst im zweiten Teil.
- Sagen Sie niemals "nie" oder "immer".
- Machen Sie Ihren Gefühlen Luft, aber bleiben damit in der Gegenwart ("Genau jetzt vertraue ich Dir nicht!").
- Pausen können Wunder wirken. Erlauben Sie sich eine Pause und vereinbaren Sie ein gemeinsames Pausensignal. In der Pause können Sie neu sortieren und neue Sichtweisen erkennen. Oft führen Pausen auch direkt zur Versöhnung, da erkannt wird, dass Sie sich im Kreis drehen.
- Unternehmen Sie in den Streitpausen etwas Angenehmes. Auch wenn Sie vielleicht nicht in der richtigen Stimmung sind, versuchen Sie etwas Spaß zu haben. So gewinnen Sie Abstand und einen anderen Blick auf den Streit.
- Faule Kompromisse nähren Unzufriedenheit. Gehen Sie deshalb keine faulen Kompromisse ein. Das soll nicht heißen, dass Sie nicht flexibel sein sollen oder dass sich Ihre Gefühle im Verlauf des Streits verändern können. Wichtig: Hören Sie auf Ihre innere Stimme.
- Gestehen Sie eigene Fehler ein und nehmen Sie Kritik an. Männer tun sich hierbei besonders schwer. Ihre Partnerin wird es aber als Stärke anerkennen.
- Wenn Sie merken, dass Sie sich mit Gefühlen und Aussagen in der Vergangenheit aufhalten, kommen Sie in die Gegenwart. Überlegen Sie, wie sich das Problem heute lösen lässt.
- Vergessen Sie nicht das Ziel eines jeden Streits: Mehr Nähe!
(Quelle: Steve und Shaaron Biddulph: "Wie die Liebe bleibt")
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