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Fast getrennt
Walter S., 45 Jahre, ein Sohn berichtet:
Wir haben uns mal wieder heftig gestritten, obwohl wir uns beide vorgenommen haben, konstruktiv miteinander zu sprechen. Dann verlief das Gespräch wie gewohnt. Sie hat die alte Geschichte mit ins Spiel gebracht und ich war nur noch dabei, mich zu verteidigen. Wir drehten eine Schleife nach der anderen, dieselben Vorwürfe und dann platzte mir der Kragen. Mit einem "Du kannst mich mal" verließ ich türschlagend die Wohnung und lief planlos nach draußen.
Ich wusste, dass sie nun wütend durch die Wohnung lief und enttäuscht war, dass wir nicht die Kurve gekriegt haben und uns wieder versöhnt haben. Sie konnte mich dermaßen auf die Palme bringen, dass ich keinen Ausweg sah, als die Wohnung zu verlassen. Der Abstand half mir klarer zu sehen. Als ich zurückging, hatte ich ein schlechtes Gewissen. Sicher schlief sie im Gästezimmer. Wird sie sich trennen?
Eisige Stimmung, kein Blick und kein "Gute Nacht", als ich nach Hause kam. Ich wollte auf sie zugehen, mich für mein Verhalten entschuldigen, doch den Mut hatte ich erst am nächsten Tag. Morgens kuschelte ich mich früh in ihr Bett und sagte, dass es mir leid tue und dass ich es nicht so gemeint habe. Abends, nachdem die Kleine im Bett war, sprachen wir über den Konflikt und vereinbarten einen Termin beim Paartherapeuten, um endlich der Ursache des Streits auf den Grund zu gehen. Vier Wochen nach dem besagten Streit ist mir klar geworden, dass wir ohne Hilfe von externer Unterstützung unsere Beziehung aufs Spiel gesetzt hätten.






