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Väter erziehen anders
Oft war ich sprachlos, mir fehlten die Argumente, wenn es um die Erziehung unserer Kinder ging. Ich hatte das Gefühl, meine Frau kenne die gesamte Ratgeberliteratur und ich reagiere nur aus dem Bauch oder mit meiner Intuition.
(Michael, Vater eines 10 jährigen Sohnes)
Nachfolgend stellen wir Ihnen Erziehungsziele und Erziehungsprinzipien vor. Vergessen Sie jedoch nicht Ihren eigenen Erziehungsstil zu entwickeln. Denn wir alle wissen:
Kinder zu erziehen ist ohnehin zwecklos, weil sie den Eltern alles nachmachen
(Erich Kästner)
Haben Sie Erziehungsziele?
Schon mal über die eigenen Werte nachgedacht? Werte, die Sie Ihren Kindern vermitteln wollen? Testen Sie sich selbst. Und befragen Sie auch Ihre Geschwister und Eltern.
Fragen zu meinen Erziehungszielen:
- Was ist für mich im Leben wichtig?
- Welche Wertvorstellungen habe ich?
- Welche Erziehungsziele habe ich?
- Wie bin ich selber erzogen worden?
- Welche Werte und Erziehungsziele waren für meine Eltern wichtig?
- Was möchte ich an meine Kinder weitergeben und was nicht?
- Welche Erziehungsziele hat meine Partnerin?
- Worin stimmen wir überein, worin nicht? Wo können wir Kompromisse machen?
- Wie können wir unsere Wertvorstellungen den Kindern vermitteln? Anregungen zum gemeinsamen Erziehen
- Nehmen Sie sich Zeit, Vorstellungen von der Erziehung mit Ihrer Partnerin zu besprechen.
- Geben Sie einander Rückmeldung, wie Sie sich als Papa oder Mama erleben (in entspannten Augenblicken, nicht mitten im Kampfgetümmel). Die Rückmeldung der Partnerin ist wertvoll, weil niemand sonst uns so ungefiltert erlebt.
- Berichten Sie einander, wie Sie von Ihrem Vater und Ihrer Mutter erzogen wurden.
- Ziehen Sie Dritte in Erziehungsfragen mit ein (nicht gerade die eigenen Eltern, sondern Freunde, deren Umgang mit Kindern Ihnen zusagt).
- Scheuen Sie sich nicht, einen professionellen Erziehungsberater zu befragen oder das Elterntelefon des deutschen Kinderschutzbundes zu nutzen.
- Gemeinsam erziehen heißt nicht, sich immer zu einigen und immer die gleichen Ziele zu verfolgen. Es heißt auch, in einer ständigen Auseinandersetzung über Erziehungsfragen zu bleiben und sich über Veränderungen auszutauschen.
(Quelle: Oskar Holzberg und Claudia Clasen-Holzbergaus: Kursbuch Familie)
Partnerschaftliche Erziehung
Lernen Sie, Ihre Kinder als Partner auf gleicher Ebene zu behandeln. Diese Forderung stellte Alfred Adler bereits im vorigen Jahrhundert. Vor dem Hintergrund heutiger Familienverhältnisse sind Adlers Erziehungsprinzipien aktuell wie nie. Ein Schüler Adlers schreibt dazu:
Prinzipiell geht es darum, Kindern Partner auf gleicher Ebene zu werden, die Art und Weise ihres Verhaltens zu verstehen und dies, ohne sie zu lenken, ohne die Zügel schleifen zu lassen oder die Kinder an die Kandare zu nehmen.
(Quelle: Rudolf Dreikurs - Kinder fordern uns heraus)
Ein gekürzter Auszug zu den Erziehungsprinzipien:
- Das Kind ermutigen
- Bestrafung und Belohnung vermeiden
- Natürliche und logische Folgen anwenden
- Fest sein, ohne zu herrschen
- Das Kind achten
- Die Rechte aller Beteiligten achten
- Auf Kritik verzichten und Fehler zulassen
- Den Tagesablauf (mit Ritualen) regeln ("durchschaubare Regelmäßigkeit")
- Sich Zeit nehmen
- Das Kind zur Mitarbeit gewinnen * Keine unangemessene Aufmerksamkeit geben
- Sich nicht auf einen Machtkampf einlassen * Sich von einem Streit mit dem Kind zurückziehen
- Handeln, nicht reden
- Nicht immer gefällig sein - dem Mut zum "Nein" haben
- Nicht impulsiv handeln, sondern das Unerwartete tun. (Allerdings sollten Eltern ihre Gefühle nicht leugnen, sondern zeigen.)
- Nicht zu sehr beschützen
- Die Unabhängigkeit des Kindes fördern
- Vor der eigenen Tür kehren
- Nur sparsam und vernünftig fordern * Konsequent sein
- Auf das Kind hören * Kein Aufhebens von "schlechten" Angewohnheiten machen
- Vergnügen zusammen leben (Anmerkung der Redaktion: Zusammen Spass haben)
- Einen Familienrat bilden. Partnerschaftlichkeit heißt, dass die Rechte aller Beteiligten gleich ernst genommen werden. Eltern müssen also auch ermutigt sein, um ihre eigenen Bedürfnisse dem Kind gegenüber stellen zu können. Nur wer selber ermutigt ist, kann andere ermutigen und partnerschaftlich umgehen und auf Machtkämpfe verzichten.
(Quelle: R. Dreikurs, Kindern fordern uns heraus)
Tipps zu Machtkämpfen
Sicher kennen Sie viele Beispiele aus Ihrem Alltag, wo Sie schneller in einen Machtkampf mit Ihrem Kind verwickelt sind, als Ihnen lieb ist: Der Kampf um die Süßigkeiten an der Kasse, das ins Bett Gehen, das Zähneputzen, das Fernsehen, etc.. Dabei geht es um Macht, um "wer wird gewinnen?".
Gewinnen Sie Abstand und versuchen Sie einen derartigen Konflikt doch einmal anders zu lösen:
- Geben Sie keine Befehle, sonst geraten Sie schnell in einen Machtkampf.
- Stellen Sie klare Regeln auf, die für alle transparent sind.
- Finden Sie heraus, weshalb Ihr Kind bestimmte Regeln nicht einhalten möchte. Das kann schon der Ausstieg aus dem Machtkampf sein.
- Gewinnen Sie die Mitwirkung Ihres Kindes, so hat es das Gefühl, mit einbezogen zu sein. Wenn das Kind merkt, dass es nicht mehr um das Gewinnen geht, kann es frei entscheiden und braucht den Trotz nicht mehr. Allerdings sollte das Kind mit entscheiden, was sein Beitrag ist. * Tun Sie das Unerwartete, so können Sie aus dem Machtkampf aussteigen.
- Sie sind bereits in einem Machtkampf, wenn es Ihnen darum geht, irgendetwas zu gewinnen. Aber auch, wenn Sie ärgerlich werden, wenn der Ton Ihrer Stimme fordernd oder hartnäckig ist. Immer wenn wir versuchen, unser Kind dazu zu bringen, irgendetwas zu tun, spürt es das und rebelliert.
- Bleiben Sie klar in Ihrer Konsequenz. Klare Regeln, Ermutigung, logische Folgen, gegenseitige Achtung, Regelung des Tagesablaufes, Verständnis und die Gewinnung zur Mitarbeit sind Methoden, einen Machtkampf zu beenden.
(Quelle: Rudolf Dreikurs, Kindern fordern uns heraus)
Tipps zum Umgang mit der Trotzphase
Geben sie nach oder nicht? Wie laut muss ich brüllen, um den Lutscher trotzdem zu bekommen? So oder ähnlich stellen sich Kinder zwischen zwei und vier Jahren gegen das elterliche Nein. Das Kind ist nicht bösartig oder will Sie tyrannisieren, es testet lediglich Grenzen aus und lernt mit diesen umzugehen.
In der Trotzphase schwankt das Kind zwischen dem Gefühl, etwas Eigenes sein zu wollen, und dem Bedürfnis nach Harmonie zu den Eltern. Oft geben Eltern den Wünschen und Forderungen nach, da sie befürchten, dem Kind Schaden zuzufügen oder weil ihnen die Situation peinlich wird.
Nehmen Sie unsere nachfolgenden Tipps als Anregung im Umgang mit der Trotzphase:
- Setzen Sie klare und sinnvolle Grenzen. Sie geben dem Kind Halt und Orientierung und befähigen es, sich in die soziale Ordnung zu integrieren.
- Setzen Sie Grenzen nach zwei Kriterien: 1. Grenzen müssen sein, wo Bereiche anderer beginnen (auch die der Eltern). 2. Grenzen müssen sein, wo Gefahr droht.
- Lassen Sie das Kind erst einmal in Ruhe und warten Sie das Ende des "Anfalls" ab. Im Wutanfall ist das Kind nicht zugänglich für Argumente.
- Bleiben Sie bei Ihrem Kind. Sie geben damit zu verstehen, dass Sie es nicht verlassen, ihm aber auch nicht nachgeben.
- Häufigkeit und Ausmaß der Trotzreaktionen sind von Kind zu Kind verschieden und hängen mit dem Alter, dem Temperament sowie der Erziehung ab.
- Trotzreaktionen sind wichtig und lassen sich mit keiner Erziehungsmethode vermeiden.
- Auch diese Phase geht vorbei.
- Bei größeren Schwierigkeiten sollten Sie sich professionellen Rat einholen.
(Quelle: Seminar-Handouts von Ute Penzel und Stefanie Keller - Referentinnen zum Thema "Partnerschaftlich-demokratische Erziehung" erreichbar über www.kontrast-ev.de)
Tipps zum Umgang mit pupertierenden Kindern
Kreischende Teenies, verstummte Einzelgänger, verwüstete Wohnungen, Pickel, erste Bartstoppeln, tragische Liebesszenen, ... Mit provokanten Verhaltensweisen testen Heranwachsende die Eltern-Kind-Beziehung. Jetzt erst recht gilt es, Ruhe zu bewahren. Oskar Holzberg schreibt dazu:
Mehr denn je sind Eltern-Tugenden gefordert: Geduld, Flexibilität und Vertrauen. Spätestens in dieser Zeit zahlt sich aus, was Sie Ihrem Kind an Bindung und Sicherheit mitgegeben haben.
Nachfolgende Tipps regen zu mehr Gelassenheit im Umgang mit pubertierenden Kindern an:
- Entscheiden Sie, wo es wichtig ist, dass Grenzen eingehalten werden und wo sie zu überflüssigen Reibereien führen. Grenzen sollten auf jeden Fall beachtet werden, wenn Ihr Kind sich selbst gefährdet oder wenn sein Verhalten für andere Familienmitglieder eine Zumutung bedeutet.
- Grenzen sollten sowohl vernünftig als auch realistisch sein. Falls Sie selber rauchen und Alkohol trinken, wird es schwer sein, diesbezügliche Verbote durchzusetzen. Überprüfen Sie auch Ihren eigenen Umgang mit Grenzen.
- Treffen Sie klare Absprachen mit Ihren Kindern und halten Sie sich unbedingt an Ihren Teil der Abmachung. Abmachungen, zum Beispiel über nach Hause Kommen, Umgang mit Geld, Hausaufgaben und dergleichen, müssen immer wieder den veränderten Bedürfnissen und Bedingungen angepasst werden - sonst sind Spannungen unvermeidlich.
- Seien Sie immer bereit, Streitfragen offen zu diskutieren. Gehen Sie auf Forderungen ein. Es geht nicht darum, sich um jeden Preis durchzusetzen.
- Erwarten Sie nicht, dass Ihr Kind mit Ihnen spricht, wenn Sie das gerade möchten. Aber halten Sie sich für wichtige Themen jederzeit zur Verfügung.
- Sie sind nicht der beste Kumpel oder die beste Freundin. Dies sollte das Kind unter Gleichaltrigen finden. Falls Sie dazu neigen, sich Ihrem Kind gerade jetzt sehr nahe zu fühlen und die Generationenschranke leugnen, sollten Sie sich fragen, ob das mit Ihren eigenen Bedürfnissen zu tun hat.
- Erinnern Sie sich an die eigene Pubertät: Wie war Ihr Verhältnis zu den Eltern, zu Ihrem Körper, zur Sexualität, zu Freunden? Welche Fragen haben Sie beschäftigt? Wer hat Sie unterstützt? Wie war Ihre Stimmung? Sich daran zu erinnern, hilft beim Einfühlen und Respektieren der Grenzen Ihres Kindes. So können Sie sich Ihrem Kind nah fühlen, ohne dass Ihr Kind Ihnen tatsächlich nah sein muss.
(Quelle: Kursbuch Familie von Oskar Holzberg und Claudia Clasen-Holzberg)
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