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Kurz vor der Geburt
Etwa neunzig Prozent der Männer gehen mit in den Kreissaal. Männer wollen die Geburt unterstützen, fragen sich aber oft, ob sie mit der Situation zurecht kommen. Oder machen sich Sorgen um Mutter und Kind.
Sie wollen am liebsten mit anpacken und müssen ihre Handlungsimpulse dennoch zügeln
(Martin Gnielka, Autor der Broschüre Beifahrer der BZg)
Nachfolgend erfahren Sie, an was Sie vor der Geburt denken sollten, wie Rolf die Geburt erlebte und was Sie bei einer Totgeburt tun können.
Checkliste vor der Geburt
- Erarbeiten Sie gemeinsam mit Ihrer Partnerin einen Geburtsplan: Schreiben Sie auf, wie Sie sich den Verlauf der Geburt vorstellen, welche Hilfsmittel Sie benötigen, welche Medikation Sie festlegen und ausschließen wollen. Sie sind für den Geburtsplan verantwortlich, Ihre Frau kann das während der Geburt nicht.
- Besprechen Sie den Plan vor der Geburt mit der Hebamme.
- Sprechen Sie mit der Hebamme über Ihre Rolle während der Geburt. Versichern Sie sich, dass Sie als aktiver Partner angesprochen und akzeptiert werden. Informieren Sie sich über die Phasen der Geburt. * Informieren Sie sich über geeignete Orte zur Entbindung. Tipp: In Geburtshäusern finden sie eher eine familien- und väterfreundliche Atmosphäre.
- Schauen Sie sich gemeinsam den Kreissaal, das Vorbereitungszimmer und den Säuglingsraum an. Klären Sie mit dem Personal, wie Sie ihn gestalten können, damit Sie sich als Paar aufgehoben fühlen. * Klären Sie mit dem Personal, ob es auch für Sie einen Platz gibt, an dem Sie sich ausruhen und Kraft schöpfen können.
- Sorgen Sie in Absprache mit ihrer Partnerin für ausreichend Essen und Getränke.
- Nehmen Sie sich Urlaub für die Zeit nach der Geburt. Sprechen Sie Ihre Vertretung rechtzeitig mit Arbeitskollegen und Vorgesetzten ab.
- Das Auto sollte stets voll getankt sein. Der Weg zum Krankenhaus oder zum Geburtshaus sollte Ihnen auch klar sein, wenn Sie Umwege fahren müssen.
- Ihre Partnerin sollte immer wissen, wie Sie erreichbar sind. Tipp: Handy immer mitnehmen.
- Vier Wochen vor dem errechneten Termin die Geburtstasche packen. Dazu gehört: Bequeme Anziehsachen zum Wechseln, Erstausstattung für das Baby, Thermoskanne mit Getränk, kleine Stärkungen wie Müsliriegel, Schokolade oder Traubenzucker, Telefonnummern für "die gute Nachricht" oder den Krisenfall, Massageöl, Lieblings-Entspannungsmusik, Fotoapparat für das erste Babyfoto.
- Haben Sie eine Hebamme für das Wochenbett organisiert?
- Mit wem, außer Ihrer Partnerin, wollen Sie über das Geburtserlebnis sprechen?
- Kleines Geschenk für Ihre Partnerin nach der Geburt und einen kleinen leckeren Snack (auch die Hebamme freut sich darüber).
Checkliste während der Geburt
- Bleiben Sie immer an der Seite Ihrer Partnerin, es sei denn, sie möchte auch mal allein sein.
- In Situationen, in denen Ihre Partnerin nicht in der Lage sein sollte, vermitteln Sie zwischen der Hebamme und Ihrer Partnerin.
- Seien Sie offen für das, was Ihre Partnerin körperlich und seelisch empfindet.
- Erzählen Sie Ihrer Partnerin, was passiert und was Sie beobachten.
- Geben Sie Anregungen, wenn die Geburtssituation festgefahren ist. Halten Sie sich nicht zurück, wenn Sie den Eindruck haben, ein Ortswechsel (z.B. Badewanne oder Gymnastikball) könnte die eingefahrene Situation wieder beleben.
- Ermutigen Sie Ihre Partnerin. Erzählen Sie von den Fortschritten.
- Sie können Ihre Partnerin mental unterstützen. Geben Sie Ihr das Vertrauen, dass sie es schafft und alles wunderbar macht.
- Was Sie noch tun können (natürlich in Absprache mit Ihrer Partnerin): Die Lippen befeuchten. Die Lippen einfetten. Die Stirn kühlen. Das Kreuzbein massieren. Schmerzpunkte massieren. Festhalten. Umarmen. Motivieren. Anspornen. Beschwichtigen. Bestärken. Mitatmen. Halt geben. Liebkosen.
(Quelle: Buch Kinder machen Männer stark von Ralf Ruhl)
Rolfs Erfahrungsbericht
Wie sich die Unsicherheiten und Ängste bei der Geburt dann doch plötzlich auflösen, beschreibt Rolf stellvertretend für viele Väter so:
Dann kam dieses Kind raus… und da kam dann wirklich alles aus mir raus, da war dann die ganze Angst irgendwie weg… Dann kam einfach nur noch Glück.
Verlust des Kindes
Was wir keinem wünschen, aber dennoch vielen Paaren passiert: Sie verlieren Ihr Kind.
Obwohl siebzig Prozent aller Schwangerschaften mit einer Fehlgeburt enden, wird diese Thema in unserer Gesellschaft tabuisiert. Ärzte gehen im Allgemeinen sehr nüchtern und kalt mit Frauen um, die ihr Kind verlieren. So oder ähnlich laufen viele Gespräche in den Kliniken:
Morgen früh nehmen wir eine Ausschabung vor, um den Weg für eine neue Schwangerschaft zu bereiten. Es wird schon wieder klappen.
Kaum ein Arzt oder Klinikpersonal spendet Trost oder gibt Hinweise, wie man den Verlust verarbeiten kann. Viele Mütter bedrücken zudem Scham- und Schuldgefühle und das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben. Väter fühlen sich in dieser Situation oft noch hilfloser und unterdrücken ihre Trauer und ihren Schmerz.
Was Sie tun könnten:
- Trauer und den Schmerz ernst nehmen. Sprechen Sie über den Verlust, nur so lässt sich etwas auflösen.
- Verabschieden Sie sich von Ihrem Kind mit einem Ritual (z.B. Pflanzen eines Rosenstockes, eine Trauerfeier).
- Bringen Sie sich als Vater mit ganzen Herzen ein.
Unsere weiteren Empfehlungen:
- www.initiative-regenbogen.de
- Kirchliche Einrichtungen wie Diakonie oder Caritas o Gedenkstätten für nicht beerdigte bzw. nicht bestattungspflichtige Kinder (z.B. auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg)
- Besonders empfehlenswert ist das Buch von Hannah Lothrop, Gute Hoffnung - jähes Ende.
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