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Elternzeit nehmen
Elternzeit - Warum eigentlich nicht? Zeit für Sie, Zeit für Ihre Partnerin, Zeit für Ihr Baby. Zeit für intensive Beziehungen und Erfahrungen. Eine Zeit, von der Sie und Ihre Familie ein Leben lang profitieren werden. Eine Zeit, die Sie nicht vergessen werden. Das alles kann Elternzeit sein. Neugierig? Lesen Sie, wie andere Väter die Elternzeit erlebten. Und beherzigen Sie die nachfolgenden Tipps:
Elternzeit - was ist das?
- Vielleicht kennen Sie die Elternzeit noch unter der Bezeichnung Erziehungsurlaub. Doch nicht nur die Namensgebung, auch die damit verbundenen Rechte haben sich verbessert. Die Elternzeit entspricht mehr den heutigen Verhältnissen und Bedürfnissen von Vätern und Müttern. Was sich verändert hat und wie Sie als Vater davon profitieren können:
- Recht auf Teilzeit: In der Elternzeit können Sie fünfzehn bis dreißig Stunden in der Woche arbeiten. Sind Sie in einem Unternehmen mit mehr als fünfzehn Mitarbeitern beschäftigt und gehören Sie diesem Unternehmen länger als sechs Monate an, haben Sie ein Recht auf Teilzeit.
- Recht auf Teilung: Sie können die Elternzeit unterbrechen. Sie können sich die Elternzeit mit Ihrer Partnerin teilen. Vater oder Mutter können unabhängig voneinander Elternzeit beanspruchen.
- Das dritte Jahr: Mit Zustimmung Ihres Arbeitgebers können Sie das dritte Jahr der Elternzeit bis zum achten Lebensjahr Ihres Kindes nehmen. Allerdings müssen Sie dies acht Wochen vor Ablauf der ersten zwei Jahre festlegen!
- Recht auf Arbeitsplatz: Eine Arbeitsplatzgarantie ist per Gesetz nicht gegeben. Allerdings können Sie sich eine solche in den Arbeitsvertrag schreiben lassen. Nur wenn eine Versetzung vom Direktionsrecht gedeckt ist, ist diese rechtens. Ansonsten gilt: Versetzung auf einen geringer wertigen Arbeitsplatz ist nicht möglich. Auch dann, wenn das bisherige Gehalt weitergezahlt wird.
- Kündigungsschutz: Acht Wochen vor Beginn und während der Elternzeit darf Ihnen nicht gekündigt werden.
- Fristen und Formales: Frühestens mit Beginn des Mutterschutzes dürfen Sie Elternzeit nehmen (acht Wochen vorher dem Arbeitgeber mitteilen!). Soll Ihre Elternzeit unmittelbar nach der Geburt starten, müssen Sie dies Ihrem Arbeitgeber sechs Wochen vorher mitteilen. Die Mitteilung über Elternzeit muss schriftlich erfolgen und soll folgendes enthalten:
- Die Elternzeiten in den ersten zwei Jahren o Die Elternzeit für das dritte Jahr (reicht auch noch acht Wochen vor Ablauf der ersten zwei Jahre!)
- Ob Sie während der Elternzeit Teilzeit arbeiten wollen (acht Wochen vor Beginn mitteilen!) - Praxis-Tipp: Die Mutter nimmt das erste Jahr Elternzeit, der Vater das zweite. Vorteil: Beide Elternteile sind nicht zu lange aus dem Job und haben trotzdem Zeit, intensive Beziehungen aufzubauen. Informieren Sie Ihren Arbeitgeber möglichst früh. Unserer Erfahrung nach sind sechs Monate vor dem Stichtag ideal, da ausreichend Zeit bleibt, um die Arbeit im Team neu zu organisieren.
- Erziehungsgeld: Während der Elternzeit erhalten Sie Erziehungsgeld. Anträge nehmen die Erziehungsgeldstellen der Länder entgegen. Beanspruchen Sie nur ein Jahr Elternzeit, erhalten Sie bis zu 460,- € monatlich (Budgetierung). Andernfalls erhalten Sie für zwei Jahre bis zu 307,- € monatlich. Die Höhe des Erziehungsgeldes ist einkommensabhängig. DerErziehungsgeld-Rechner sagt es Ihnen genau. Die gesetzlichen Aspekte sind komplexer, als wir es hier darstellen. Informieren Sie sich deshalb zusätzlich beim Amt für Erziehung, Ihrer Personalabteilung, Ihrem Betriebsrat oder bei Gewerkschaften.
Tipp: Für weitergehende Fragen zu Elternzeit und Erziehungsgeld hat das Bundesfamilienministerium ein Servicetelefon eingerichtet. Dieses ist montags bis donnerstags von 7 bis 19 h unter *01801 / 90 70 50 zu erreichen . Die Fax-Nummer lautet 01888 / 555 4400, die Mail-Adresse info@bmfsfjservice.bund.de
*Anrufe aus dem Festnetz zwischen 9 und 18 h 4,6 Cent, sonst 2,5 Cent pro angefangener Minute
Weiterführende Infos und Links:
Infobroschüre des Bundesfamilienministeriums zur ElternzeitHandbuch Elternzeit und Erziehungsgeld von ver.di mit Beispiel für eine Betriebsvereinbarung zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie
Tipps für die Elternzeit Was ist wichtig in der Elternzeit?
- Elternzeit ist kein Urlaub. Und das nicht erst, seitdem es nicht mehr Erziehungsurlaub heißt. In dieser intensiven und spannenden Zeit können Sie allzu leicht den Kontakt zur Berufswelt verlieren, oder es fällt Ihnen zuhause auch mal die Decke auf den Kopf. Damit Sie Ihre Elternzeit auch genießen können und der anschließende Wiedereinstieg ins Berufsleben leichter fällt, geben wir Ihnen nachfolgende Tipps und Anregungen mit in die Elternzeit:
- Genießen Sie die Zeit mit Ihrem Kind! Dafür ist die Elternzeit (auch) da. Weitere Infos dazu unter Väter und Kinder.
- Organisieren Sie Ihren Alltag zuhause: Tipps dazu finden Sie hier.
- Halten Sie Kontakt mit Ihrem Arbeitgeber: Bieten Sie sich für Urlaubsvertretungen oder Kurz-Jobs an. Nehmen Sie an Weiterbildungen teil. Lassen Sie sich über Teambesprechungen informieren.
- Schaffen Sie sich auch eigene Freiräume: Zu tun gibts in der Elternzeit zuhause eigentlich immer etwas. Sprechen Sie daher mit Ihrer Partnerin Freiräume ab, in denen Sie kinderfrei machen können, was Sie wollen: Sport treiben, Freunde treffen, Kaffee trinken, Energie auftanken. Und vergessen Sie nicht, auch mal wieder etwas gemeinsam mit Ihrer Partnerin ohne Ihr Kind zu unternehmen!
- Treffen Sie sich mit anderen Vätern (und Kindern) zum Austausch: Wenn Sie mal einen Hänger in der Elternzeit haben, tut eigentlich nichts besser als der Austausch mit anderen Elternzeitlern, die die eigene Situation ebenso gut kennen wie Sie. Und Sie schnell wieder aufbauen können. Wie Sie diese, auch für gemeinsame Aktivitäten mit Ihren Kindern, finden können, steht im Info-Center.
- Nehmen Sie sich Zeit für Ihre eigene Vision: Ihre Elternzeit schafft Ihnen auch Raum, nachzudenken und Revue passieren zu lassen. Wollen Sie so weiterarbeiten wie bisher? Oder möchten Sie vielleicht etwas anders machen? In so einer Auszeit kommen Sie selbst schnell auf neue Gedanken und Ideen, die Sie nutzen können. Infos dazu auch hier.
- Denken Sie an Ihren Wiedereinstieg: Durch den Kontakt mit Ihrer Firma sind Sie gut darüber im Bilde, wo Sie dort beruflich wieder sinnvoll anknüpfen könnten. Kümmern Sie sich rechtzeitig darum, damit der Wechsel zwischen Elternzeit und Job nicht zu abrupt wird. Wie Ihre Firma Sie beim Wiedereinstieg unterstützen kann, lesen Sie unter Väterangebote im Unternehmen.
Weiterführende Infos:
Broschüre des Senatsamts für die Gleichstellung, Hamburg zur sinnvollen Nutzung von Elternzeiten durch Unternehmen
Argumente für Elternzeit
Die Elternzeit gibt Ihnen Zeit für die Entwicklung intensiver Beziehungen. Von diesen profitiert nicht nur Ihr Kind und Ihre Partnerin, insbesondere Sie selbst werden persönlich daran wachsen. Und dies sollten Sie auch gegenüber Ihrem Arbeitgeber nicht verschweigen. Schließlich erwerben Sie Kompetenzen, die in der Wirtschaft hoch im Wert stehen. Argumente, die jeden Manager rechnen lassen:
- Eine Familie zu managen ist ein großes Projekt und phasenweise harte Arbeit. Hätte ich es nicht geschafft, das Chaos zu organisieren, wäre ich jeden Tag zusammen gebrochen.
- Jedes Vorhaben mit Kindern ist an ständig wechselnde Ereignisse anzupassen. Gerade habe ich die Tasche für das Schwimmbad gepackt, schürft sich die Kleine das Knie auf und wir können nicht ins Schwimmbad. Stattdessen muss ein gleichwertiger Ersatz her. Dies erfordert immer wieder ein Höchstmaß an Flexibilität.
- Bei dem, was ich zuhause an Situationen erlebt und gemeistert habe, wirft mich nichts mehr so schnell aus der Bahn. Ich bewahre auch in Stress-Situationen einen kühlen Kopf und treffe die richtigen Entscheidungen.
- Mit dem Eintauchen in die Familienwelt und dem damit verbundenen Perspektivenwechsel sehe ich auch meine Arbeit neu.
- Und zur Steigerung Ihrer Sympathiewerte bringen Sie Ihr Baby mit in die Firma. Ihre Kollegen verstehen sofort, warum Sie gerade jetzt beruflich kürzer treten. Und nach unseren Erfahrungen werden Sie auch Ihren Chef nicht wieder erkennen. Artikelaktionen
Checkliste Elternzeit
Nachfolgende Fragen und Tipps machen Lust auf das Thema. Experimentieren Sie, finden Sie eigene Wege, setzten Sie eigene Ideen um. Möchten Sie Elternzeit mit Teilzeit kombinieren, beachten Sie bitte auch unsere Checkliste Teilzeit.
Legen Sie Ihre Ziele fest. Stellen Sie sich dazu nachfolgende Fragen:
- Wie lange wollen Sie Elternzeit nehmen? o Wie lange will Ihre Partnerin Elternzeit nehmen o Wollen Sie sich bei der Elternzeit mit Ihrer Partnerin abwechseln?
- Wollen Sie den Kontakt zu Ihrer Firma halten?
- Wollen Sie während oder nach der Elternzeit in Teilzeit arbeiten?
Bereiten Sie Ihren Ausstieg vor:
- Kennen Sie Väter in der Firma, die Elternzeit genommen haben? Wenn ja, fragen Sie nach deren Erfahrungen.
- Finden Sie über den Betriebsrat oder die Personalabteilung heraus, ob ein Kollege oder eine Kollegin aus der Elternzeit zurückkehrt. Vielleicht kann Ihre Stelle so besetzt werden.
- Können Sie jemanden empfehlen, der Ihre Stelle übernimmt?
- Kann Ihre Elternzeit mit flexibleren Arbeitszeiten überbrückt werden?
- Welche Projekte wollen Sie selbst beenden?
- Welche Projekte können bereits übergeben werden?
- Sprechen Sie jetzt schon Ihren Wiedereinstieg ab.
Stellen Sie Ihr Konzept vor:
- Nur Mut, schließlich sind sie kein Bittsteller, sondern unterbreiten ein Angebot, dass beiden Seiten Vorteile bringt. Beachten Sie dazu nachfolgende Tipps, kann eigentlich nichts mehr schief gehen:
- Stellen Sie Ihr Anliegen als organisatorisches Problem dar, das gelöst werden kann.
- Stellen Sie die Vorteile für die Firma in den Vordergrund, aber vergessen Sie nicht auf Ihre Beweggründe und Vorteile hinzuweisen.
- Seien Sie auf Widerstände vorbereitet. Viele Chefs haben ihren Job nur durch familiäre Opfer erreicht. Letztendlich werden aber die Sachargumente gewinnen.
Gehen Sie in Elternzeit:
- Veranstalten Sie ein Fest. Ob für Sie alleine oder die ganze Firma nebst Freunden ist dabei egal. Wichtig ist, dass Sie sich um die neue Zeit bewusst werden.
- Sprechen Sie einen Zeitraum ab, in dem Sie für Fragen zur Verfügung stehen. Damit schaffen Sie für Ihre Kolllegen einen sanften Übergang in die neue Arbeitssituation.
- Bringen Sie Ihr Baby in die Firma. Ihre Kollegen verstehen sofort, warum Sie gerade jetzt beruflich kürzer treten. Und nach unseren Erfahrungen werden Sie auch Ihren Chef nicht wieder erkennen.
- Halten Sie wie geplant Kontakt zu Ihrer Firma.
- Überlegen Sie, ob eine Fortbildung jetzt sinnvoll sein könnte.
- Bereiten Sie Ihren Wiedereinstieg vor. Oft lässt sich nicht festlegen, mit welchen Aufgaben in der Firma Sie nach der Elternzeit betraut werden. Durch den kontinuierlichen Kontakt zum Arbeitgeber sind Sie auf Veränderungen vorbereitet. Vereinbaren Sie eine Karenzzeit. Nach der Pause werden Sie einige Zeit brauchen, bis Sie wieder hundert Prozent Leistung bringen.
Steigen Sie wieder ein:
Wie Ihre Firma Sie beim Wiedereinstieg unterstützen kann, lesen Sie unter Väterangebote im Unternehmen.
Weiterführende Links und Infos: Man(n) teilt Zeit - Arbeitszeitberatung für Männer und Väter
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